Gefechtsbericht der 294.I.D. August 1944

OKH/Abwicklungstab
Sachgebiet 294

Gefechtsbericht der 294. Inf.-Division

Die 294.I.D. war im Raum des LII.A.K. im AOK 6 der Heeresgruppe Südukraine seit April 1944 am unteren Dnjestr in Stellung. Personell war durch zugeführten Ersatz und Eingliederung der Inf.-Teile der 336.I.D. die Soll-Stärke fast erreicht.
Waffenmäßige Ausstattung der Division:
Gewehre vollständig
M.G. etwa 80%
Gr.W. u. I.G. etwa 60%
s.Pak. etwa 75%
Artl. etwa 90%
Sturm-Gesch.-Kp.  war in Aufstellung auf Truppenübungsplatz Milau

Kommandeur der der 294.I.D. Ritterkreuzträger Generalmajor von Eichstedt
Ia: Oberstlt. i.G. Leeb
Ib: Major i.G. Mergler
IIa: Major Ziegs
Kdr. G.R.513: Oberst Hess
Kdr. G.R.514: Oberstlt. Steinhauser
Kdr. G.R.685: Oberstlt. Koch
Kdr. A.R.294: Major Paschke
Kdr. Füs.Btl.294: Major Rösser
Kdr. Pi.-Btl.294: Major Breinlinger
Kdr.Pz.Jg.Abt.294: Major Hoffmann
Kdr. Nachr.-Abt.294: Major Weicht 
Kdr. Felders.Btl.294: Hptm. d. R. Kleiter
Kdr. Div.Nachsch.Tr.294: Rittmstr. Boden

Bis 22,8,44: Bis 22.8.44 war die Div. eingesetzt am Dnjestr-Butor-Brückenkopf - von links nach rechts: G.R.513, G.R.514, G.R685. Div.-Reserve: Füs.Btl.294 und Felders.Btl.294. Felders.Btl.294 betrieb gleichzeitig Ausbildung und Umschulung.
In der Zeit vom 15.-22.8.44 örtliche Angriffe des Russen hauptsächlich bei G.R.685.Erzielte Einbrüche wurden mit eigenen Kräften bereinigt. Div.-Gef.Stand: Schlucht etwa 1 km westnordwestlich Höhe 172 nördl. Rollbahn Mereni - Vainova. Grabenausbau gut, teilweise Vorderhangstellung am Dnjestr, die bei Regen vollief. Stimmung, Kampfmoral und Ausbildungszustand der Truppe: gut.
In der Nacht vom 21./22.8.44 erreichte die Division der Korpsbefehl, daß nach den Ereignissen beim XXIX. u. XXX.A.K. die Div. am 22.8., 18.30 Uhr, sich auf die Trajan-Stellung -Rollbahn Kischinew - Tighina - absetzen sollte. Im Laufe des zeitigen Vormittages wurde der Befehl abgeändert und Absetzen in Gegend Carbuna befohlen, wo die Div. zur Abriegelung der russischen Einbrüche eingesetzt werden soll. Div.-Kdr. befahl, daß alle entbehrlichen Teile der Versorgungstruppen über Barlad zu marschieren hätten. Bei der Div. sollten lediglich Munition, Betriebsstoff, Verpflegung und Verwundete auf den unbedingt erforderlichen pferdebespannten und mot.-Fahrzeugen verbleiben. An Munition wurde verladen auf pferdebespannte Fahrzeuge und Teile der Kraftfahr-Kp. ca 200 to. Betriebsstoff z.T. auf pferdebespannte Panjefahrzeuge und auf Maultiere in Höhe von etwa 3 VS. Bei der Truppe selbst befanden sich ebenfalls 3 VS. Div.-Stab setzte sich im Laufe des Spätnachmittags nach Carbuna zum neuen Div.-Gef.Std. ab. Korps-Gefechts-Stand befand sich in Rezeni.

23.08.44: Am 23.8. früh 2,00 Uhr sind in Carbuna eingetroffen: Die Masse der Qu.-Abteilung, Ia, IIa, O1. Von der Truppe liegt noch keine Meldung über Eintreffen vor. Auf Grund der neuesten durch Korps übermittelten Lage wird befohlen, daß alle noch in Hancesti befindlichen Teile der Div. beschleunigt den Pruth zu überschreiten haben. Die Werkstatt- und Kraftfahr-Kp. hatten den Auftrag, etwa in Leova am Pruht die Division zu erwarten, da gemäß Korpsbefehl die Division sofort nach Eintreffen der Kampftruppe sich weiter zum Pruth in Richtung Leova, wo der Pruth überschritten werden soll, abzusetzen hat. Das Erreichen der Brücke in Leova war für den 25.8., abends, befohlen. Als Div.Gef.Stand für den Nachmittag des 23.8. war Maximeni vorgesehen. Etwa 6.30 Uhr trafen die ersten Kampftruppen unter Führung des Kdrs. des Felders.Btl.294, Hptm. Kleiter, in Rezeni ein. Es handelt sich aber nur um schwache Teile. Die in Hancesti und Umgebung noch vorhandenen Troßteile wurden gegen 9,00 Uhr alarmiert und beschleunigt über Husi nach Barlad in Marsch gesetzt. Eine Rückkehr des Oblt. Schauerte, Div.Kraftfahr-Offz., zur Division über Mereseni und Maximeni war um diese Zeit nicht mehr möglich, da Mereseni und die Straße südl. davon bereits vom Feind besetzt war. Nach fernmdl. Rücksprache über LII.A.K. mit der Div. wurde befohlen, weiter zu ziehen nach Lapusna und, falls ein Einschwenken in südl. Richtung nicht mehr möglich sei, die Div. in Leova zu erwarten und gleichzeitig für Betriebsstoff Sorge zu tragen. In Lapusna befand sich an der Straßenkreuzung Oberst Hass, Korps Kraftf.-Offz. LII.A.K., um alle Teile die nach Süden abbiegen wollten, über Husi weiterzuleiten, da der Wald südl. Lapusna ebenfalls bereits vom Russen besetzt war. Durchfahrt durch Lapusna etwa 13.00 Uhr. Gegen 14,00 Uhr Panzerfeuer auf die Straße Lapusna - Husi. Wildes Durcheinander. Der größte Teil der Fahrzeuge mach kehrt und fährt Richtung Lapusna - Hancesti zurück. Nach Vorbeiziehen an der Wagenkolonne wird festgestellt, daß die letzten 5 km vor dem Pruth vollkommen Menschen- und Fahrzeugleer sind. Daraufhin wurde der Weitermarsch bis zum umbenannten Dorf etwa 3 km vor dem Pruth angetreten. Hier setzte von den Höhen herunter starkes Panzerfeuer von 7 fdl. Panzern ein. Die Fahrzeuge versuchten im Dorf unterzukommen. Einige wenige Fahrzeuge folgen dem Befehl und verschwinden in der südl. des Dorfes gelegenen Schlucht, die absolute Deckung bot. Die im Dorf befindlichen Truppen werden systematisch durch das fdl. Panzerfeuer vernichtet. Ein Befehl zum Durchbrechen nach Norden durch das Panzerfeuer wird nicht verfolgt, sodaß nur mein eigenes Fahrzeug, das noch mit dem Div.-Int. der 294.I.D., Oberstabsint. Schorp., besetzt war, durchbrechen konnte. Spätabends wurde eine Kampfgruppe von etwa 2 Kompanien aus allen möglichen Truppenteilen zusammengestellt und unter Führung des NSFO der 106.I.D., Oblt. Wagener angetroffen, die ebenfalls versuchten, den Pruth nördl. Husi zu überschreiten, da mittlerweile tatsächlich die Brücke bei Husi etwa 14,00 Uhr von deutsche Seite gesprengt worden war. Bei dieser Kampfgruppe befanden sich der Korpsarzt und Korpsveterinär des LII.A.K., die früher in Lapusna gewesen waren. Nach ihren Angaben ist der Russe mit Panzern und etwa 50 Lkw aufgesessener Infanterie von Süden her gegen 14,00 Uhr in Lapusna eingebrochen und hat die dort vorhandenen Teile in alle Winde versprengt. In der Gegend Carbuna Zusammenstoß der im Absetzen in südwestl. Richtung befindlichen Division mit feindl. Kräften. Die Fü.-Abt. der 294.I.D. will mit dem Div.Gef.Std. am 23.8.44 abends nach Dorf Sahaidac verlegen. Sahaidac feindbesetzt, wird aber vom Regiment Kiefer (nicht zur 294.I.D. gehörig) am 24.8. im Laufe des Vormittags freigekämpft.

24.8.44: Die Fü.-Abt. bleibt im Waldstück südl. Rezeni an der Bahnlinie. Die 294.I.D. ist zu dieser Zeit noch einigermaßen geschlossen. Am 24.8. früh werden in Buja die dort gesammelten Teile aus Lapusna von Panzern angegriffen und müssen weiter nach Norden ausweichen, wo sie im Laufe des Nachmittags von Teilen der 106.I.D. aufgenommen werden. 106.I.D. kämpft nördlich Husi einen Pruth-Übergang frei. Starker Schlachtfliegereinsatz. Die Masse der dort versammelten Teile kommen jedoch ohne wesentliche Ausfälle über den Pruth. Gegen 19,00 Uhr verlegt die Division unbemerkt vom Feind von Gegend Sahaidac westl. nach Gura Galbena. Dort selbst nur schwache Feindsicherungen. Jedoch auf den Höhen etwa 2 km westl. davon eine starke russische Riegelstellung.

25.8.44: Ein 5,30 Uhr angesetzter Angriff zur Gewinnung der Höhenstellungen bleibt stecken. Gura Galbena selbst liegt unter starken Feindbeschuß aller Waffen. Starker Schlachtfliegereinsatz, der sich vor allem in den Nachmittagsstunden steigert. Erhebliche Ausfälle. Die Division ist eingekesselt. Für 14,30 Uhr wird durch Div.Kdr. Ausbrechen nach Westen befohlen. Marschziel und Sammelplatz werden nicht bekanntgegeben. Durchbruch gelingt durch die Masse der Truppe, jedoch geht jeder Zusammenhalt verloren. Ebenfalls werden das gesamte schwere Gerät und Waffen eingebüßt sowie die Masse der Kraftfahrzeuge durch direkten Beschuß vernichtet. Die Masse der Truppe findet sich im Waldstück westl. Albina, wo sich wiederum eine starke feindl. Abriegelung bemerkbar macht, zusammen. Am Spätnachmittag erneuter Durchbruch unter Führung des Generalmajors von Eichstedt. In der Nacht Weitermarsch in Richtung Pruth.

26.8.44: Am 26.8.,früh mit Hellwerden, tritt die Kampfgruppe der 294.I.D. die jetzt von Oberstlt. Steinhauser, Kdr. G.R.514, geführt wird, den Weitermarsch nach Westen an. Auf dem Marsch sind verschiedene Sperrlinien südl. Mingir zu durchbrechen. Bei diesen Durchbruchsgefechten werden die Reste der Division vollkommen auseinandergesprengt. Am ostw. Steilufer des Pruth ist eine Korpsbefehlsstelle und eine brückenkopfartige Sicherungslinie gebildet.

27.8.44: Am 27.8. sammeln sich auf der Pruth-Insel die verschiedenen Div.-Gruppen. Am Nachmittag Offz.-Besprechung durch General Müller (K.G. XXXXIV.A.K.) und Einteilung aller auf der Insel befindlicher Soldaten zu Kampfgruppen. In der Nacht Weitermarsch durch die sumpfige Pruth-Niederung.

28.8.44: Am 28.8, früh, wird Befehl zum Hinlegen und Eingraben gegeben. Die Stellung ist einzusehen und wird stark beschossen. Mannschaften sind erschöpft und durch den Beschuss erregt. Allgemeiner Angriff durch das Altwasser des Pruth zur Gewinnung  der westl. Höhen. Starke feindl. Gegenwehr. Angriff gelingt jedoch. Durchbruch etwa 20,00 Uhr. General von Buschenhagen gibt nach kurzer Ansprache im Waldstück bei Schiopeni Marschrichtung bekannt und gibt die Parole aus, daß sich gruppenweise zu den eigenen Linien zurückgekämpft werden muß. Von einer Div.-Gruppe 294 ist nach dem Pruth-Übergang nicht mehr die Rede. Von hier an haben sich nur noch einzelne Männer und kleine Gruppen durchgeschlagen.